Nutzungsdauer lohnt sich, aber wie verlängert man sie wirklich?
Der Mehrwert einer langen Nutzungsdauer ist unbestritten. Genetik bildet dafür eine wichtige Grundlage. Ohne die richtige genetische Anlage ist es fast unmöglich, fünf Laktationen zu erreichen. Aber Genetik allein reicht nicht. Ein gutes Management mit Aufmerksamkeit für Gesundheit, Fütterung und Jungviehaufzucht ist mindestens genauso entscheidend, damit Kühe nachhaltig alt werden können.
Bewusst auf Nutzungsdauer setzen
Zuchtberater René Klein Wassink arbeitet seit über dreißig Jahren bei K.I. Samen in den Niederlanden und besucht viele Milchviehbetriebe, bei denen Nutzungsdauer im Fokus steht. René erzählt: „Auf Betrieben, die aktiv auf Nutzungsdauer züchten, sieht man oft eine sehr gleichmäßige Herde: Kühe mit ausgewogenem Körperbau, starkem Fundament und gesunden Klauen. Solche Landwirte achten auf Funktionalität und Nachhaltigkeit und lassen sich weniger von Bullen mit den höchsten Zuchtwerten lenken. Meist nutzen sie das Triple A System als Werkzeug, um ihre Zucht gezielt zu steuern. Sie wählen bewusst Kühe, die lange mitgehen und Jahr für Jahr problemlos arbeiten.“
Lang lebe der Geldbeutel
Pierre Litjens ergänzt, dass sich die Nutzungsdauer von Milchkühen auch finanziell auszahlt. Pierre arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Zuchtberater bei K.I. Samen, betreut mehrere Bundesländer in Deutschland und Österreich und ist zudem Sales Manager in Kanada. „Wenn Kühe älter werden, braucht man weniger Jungvieh zur Remontierung“, erklärt er. „Dadurch sinken die Aufzuchtkosten. Und ältere Kühe produzieren oft mehr Milch. Bei spätreifen Tieren, die alt werden können, kommt die höchste Produktion meist nach der vierten Laktation.“

Aufmerksamkeit für die Aufzucht
„Eine ältere Herde bekommt man nicht von heute auf morgen“, betont Pierre. „Wer die Nutzungsdauer seiner Herde verlängern will, braucht ein gutes Management, das schon mit einer guten Aufzucht beginnt. Alles, was im ersten Lebensjahr fehlt, kann man später nicht mehr aufholen. Ab der Geburt muss man genau hinschauen. Im ersten Entwicklungsstadium muss das Kalb gut wachsen, Fütterung und Gesundheit stehen an erster Stelle. Direkt nach der Geburt bekommt das Kalb Kolostrum für ausreichend Widerstandskraft. Achten Sie außerdem auf Hygiene im Abkalbebereich und saubere Einzelboxen.“
Zum richtigen Zeitpunkt besamen
„Färsen werden idealerweise zwischen 13 und 15 Monaten besamt“, erklärt Pierre. „Dann kalben sie spätestens mit zwei Jahren ab. Werden sie später besamt, werden sie oft zu fett. Das verzögert die Trächtigkeit und kostet den Landwirt Ertrag.“
Frühreife vermeiden
René ergänzt: „Wer an einer längeren Nutzungsdauer arbeiten will, muss auf Spätreife achten. Frühreife für die Produktion sollte vermieden werden. Lassen Sie eine Färse sich in Ruhe zu einer erwachsenen Kuh entwickeln. Eine Färse darf ‚breit gestellt‘ oder ‚vorne betont‘ sein, aber sie muss später ‚brechen‘. Solche Färsen starten oft mit 82 oder 83 Punkten und steigen mit vier oder fünf Jahren auf 86 oder 87 Punkte. Große, sehr offene Färsen mit 86 Punkten oder mehr werden im Alter selten besser.“




Extreme Bullen vermeiden
Nicht nur die Spätreife der Kuh, sondern auch die des Bullen ist entscheidend. „Mit bewährten Bullen, die hoch auf Spätreife und Nutzungsdauer stehen, züchten Sie problemlos nachhaltige Kühe“, sagt René. „Vermeiden Sie extreme Bullen. Achten Sie dabei auf Widerristhöhe (Große), Kreuzlage und Beinstellung. Unsere Bullen Drouner Potency Red P, Poppe Kayne und VDR Slash erzielen hier sehr günstige Werte. Wählen Sie keine Bullen mit Widerristhöhe (Große) über 110 oder einer Kreuzlage von 90 oder niedriger.“
.
Wer an einer längeren Nutzungsdauer arbeiten will, muss auf Spätreife achten. Grashoek Mareno erzielt für Spätreife 108.


Die richtigen Anpaarungskombinationen
Warum gelingt es manchmal trotzdem nicht, die Nutzungsdauer zu verlängern? „Wenn man Generation für Generation dieselbe aAa Code nutzt, fördert das die Nutzungsdauer nicht“, sagt René deutlich. „Es kann genetisch vorhanden sein, aber wenn die Anpaarung nicht stimmt, kommt es nicht zum Ausdruck. Nutzen Sie also nicht ständig dieselbe Code und schauen Sie nicht nur auf den RZG. Die richtigen Anpaarungskombinationen sind entscheidend. In einem ausgewogenen Pedigree kommen alle Codes in den ersten beiden Generationen vor. Der Bulle braucht nicht nur die richtige Vaterlinie, sondern auch die richtige Reihenfolge der aAa Codes.“

Selestine 4: 1. Laktation: Alter 2.00 | 9797 kg Milch | 4,83 % Fett | 3,92 %
Eiweiß | LW 116+
*Erläuterung: Die Abstammung Wishlist aAa 423 x Slash aAa 153 x Eragon aAa 216 ist eine gute Kombination für Nutzungsdauer. Selestine 4 ist jetzt tragend von Styles aAa 153.
Bewährte Kuhfamilien mit nachhaltigen Leistungen
K.I. Samen unterstützt Landwirte bei der Wahl der richtigen Genetik, um gut ausbalancierte, problemlose Kühe zu züchten. Mit Bullen aus bewährten Kuhfamilien mit starker Abstammung und nachhaltigen Leistungen. Ein Beispiel ist VDR Styles (Ginstream x Martin x Bandares x Malki x Minos) aus der Sandra Kuhfamilie. Pierre ergänzt: „Auch Valor Tobor (Topgear x Commander x Beacon) stammt aus einer starken Kuhfamilie. Er ist auf einem Betrieb gezüchtet, der seit Jahren mit dem Triple A System arbeitet. Tobor überzeugt mit einer Nutzungsdauer von 529 und einer hervorragenden Klauengesundheit von 109.“
Gesunde Klauen, gesunde Kühe
„Klauenprobleme werden oft als eines der größten Hindernisse für eine lange Nutzungsdauer genannt“, fährt Pierre fort. „Sie sind ein häufiger Grund, warum Kühe nicht problemlos alt werden. Deshalb ist Aufmerksamkeit für Klauengesundheit sehr wichtig. Nutzen Sie Bullen mit guter Klauengesundheit, wie Valor Tobor (109) oder VDR Slash (107). Außerdem bleibt eine gute Klauenpflege unverzichtbar: rechtzeitiges Beschneiden, regelmäßige Fußbäder und saubere Liegeflächen halten die Klauen gesund.“
Gutes Gefühl, guter Ruf
„Eine längere Nutzungsdauer bringt nicht nur finanziellen Vorteil“, schließt Pierre ab. „Für viele Landwirte ist es ein schönes Gefühl, ältere vitale Kühe im Stall zu haben. Ihre Anwesenheit zeigt, dass gutes Management und Tierwohl zusammengehören und dass die Branche positiv wahrgenommen wird.“
Warum sich die Nutzungsdauer lohnt, was wirklich zählt
- Längere Nutzungsdauer lohnt sich:
– weniger Jungvieh bedeutet geringere Aufzuchtkosten,
– höhere Leistung, besonders ab der vierten Laktation,
– besseres Tierwohl. - Genetik ist die Basis, Management der Schlüssel: Fütterung, Gesundheit und Aufzucht bestimmen den Erfolg.
- Ein guter Start des Kalbes ist entscheidend: Ab der Geburt zählen Wachstum, Biestmilch und eine rechtzeitige erste Besamung.
- Vermeide Frühreife in der Produktion: Eine Färse soll sich in Ruhe zu einer ausgewachsenen Kuh entwickeln.
- Auf Funktionalität züchten: Anpaarungen mit zum Beispiel dem Triple A System als Hilfsmittel nutzen.
- Extreme vermeiden: Wähle Bullen mit ausgewogenen
Zahlen für Größe, Seitenansicht der Beine und Kreuzlage. - Gesunde Klauen können die Nutzungsdauer verlängern.
